Die fast schon obligatorische Frage wie ich zur Wissenschaft kam oder ob ich schon von Beginn an wusste, dass ich in die Film- und Medienwissenschaft tätig sein würde, kann ich mit einem klaren Jein beantworten. Dass Film einen besonderen Platz in meiner Arbeit und Forschung haben würde, war aber schon früh klar. Aber fangen wir von vorne an.

Schon zu Schulzeiten war ich an Wissenschaft interessiert, auch wenn ich damals nur Biologie Leistungskurs hatte und mich für Chemie und Physik nicht wirklich begeistern konnte. Und das obwohl ich auch mal Astronom werden wollte. Es war jedoch gerade meine damalige Biologielehrerin (grazie Signora Mazzesi!), die sich sicher war, dass ich Forscher werden würde: „Farà il ricercatore!“ (Er wird Forscher!). Und ja, sie hatte Recht. Nach meiner Schulzeit habe ich jedoch erst einmal Filmregie in Rom studiert und danach in München und Berlin in der Filmproduktion gearbeitet. Erst 2006 habe ich mit dem Studium der Europäischen Medienwissenschaft an der Universität Potsdam den Weg in die Wissenschaft gemacht. Während meines Studiums habe ich schon früh meinen Schwerpunkt auf das Thema Film gelegt, doch erst im Verlauf des Masterstudiums dann meineb genaueren Forschungs- und Arbeitsschwerpunkt gefunden.

Was mich an der Film- und Medienwissenschaft fasziniert
Als begeisterter Filmliebhaber fasziniert mich das Medium Film als Ganzes, doch wie gesagt haben sich im Verlauf meines Studiums Schwerpunkte herauskristallisiert.

Zum einen ist es das Thema des Amateurfilms und hier besonders das des DDR-Amateurfilms. In meiner bisherigen Arbeit und Forschung hat mich vor allem fasziniert, dass dieses Thema von der Wissenschaft mehr oder weniger ignoriert wurde, auch weil dem Amateurfilm oft der vermeidliche Makel des Unprofessionellen anhaftet. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass Amateurfilme zwar immer in ihrem sozialen und vor allem historischen Kontext gesehen werden müssen, zugleich aber auch sehr spannende und vor allem überraschende Bandbreite an Themen zeigen. Es offenbaren sich dabei – und das gilt besonders für den DDR-Amateurfilm – teils oft sehr komplexe Produktionsabläufe und –strukturen, die nicht nur höchst interessant sind, sondern es auch wert sind beleuchtet zu werden.

Zum anderen interessiere ich mich – wie es Jean-Luc Godard ganz treffend beschreibt – um die Geschichte(n) hinter der Geschichte. Dabei gibt es nicht DIE Geschichte, genauso wenig wie es DIE Filmgeschichte gibt. Beim Film ist es zwar möglich von einer Geschichte des Mediums Films zu sprechen, doch selbst dahinter stehen nicht nur mehrere Strömungen, sondern auch verschiedene, teils oft vergessene Personen und Filmschaffende, die mit ihren eigenen (Lebens-)Geschichten zu dieser großen Geschichte beigetragen haben und die es gilt aus den Tiefen der Archive und Filmarchive zu heben und auszugraben.

In diesem Zusammenhang geht es mir in meiner Arbeit auch immer darum die biografischen Komponenten der Akteure und Personen zu erzählen und zu beleuchten, da diese in meinen Augen zu oft vernachlässigt werden. Dies obwohl Leben und Arbeit oft eng miteinander verbunden sind und Lebensereignisse und persönliche Umstände – im Zusammenwirken mit den politischen und sozialen Umstände der jeweiligen Zeit – immer wieder einen bedeutenden Einfluss auf die Arbeit und das Handeln gehabt haben.

Neben einer Forschungsarbeit über das Werk des DDR-Amateurfilmers Karl-Heinz Straßburg im Jahr 2010, die ich im Rahmen des Forschungsprojektes „Amateurfilm im Land Brandenburg“ verfasst habe, meiner Masterarbeit über das Internet-Archiv „Wir waren so frei … Momentaufnahmen 1989/1990“, bin ich diesem Ansatz zuletzt in meiner Doktorarbeit über den DDR-Filmschaffenden Horst Klein gefolgt.